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Thymusdrüse

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Lage und (grobes) Schema des Thymus.

Der Thymus (latinisiert von Vorlage:ElS) oder das Bries ist eine Drüse des lymphatischen Systems von Wirbeltieren und somit Teil des Immunsystems. Das Organ befindet sich bei Säugetieren kopfwärts (kranial) des Herzens im Mittelfell hinter dem Brustbein. Bei einigen Säugetieren (z. B. Paarhufer, Meerschweinchen) erstreckt es sich über den gesamten Hals, bei Vögeln ist es ausschließlich im Halsbereich ausgebildet. Mit dem Eintritt in die Geschlechtsreife bildet sich das Organ physiologisch zurück (Involution).

Der Thymus prägt als lymphatisches Organ die spezifische Abwehr aus, namentlich die T-Lymphozyten. Die volkstümliche Bezeichnung „Wachstumsdrüse“ ist dahingehend korrekt, dass das Organ nur in der Phase des heranwachsenden Organismus auftritt, mit dem Körperwachstum an sich ist es jedoch nicht assoziiert.

Aufbau und Funktion

Der Thymus am reifen menschlichen Fetus in situ.
Feinbau des menschlichen Thymus: Organkapsel (1), Thymusrinde (2), Thymusmark (3), Hassall-Körperchen (4), Bindegewebssepten (5).

Der Thymus des Menschen ist ein zweilappiges Organ, wobei bei Neugeborenen jeder Lappen ca. 6 cm lang und 2 cm breit ist. Im Kleinkindalter wächst der Thymus noch etwas, bis zur Pubertät behält er seine Größe, danach wird sein Gewebe mehr und mehr durch funktionsloses Fettgewebe ersetzt (→ Involution). Bei den übrigen Säugetieren unterscheidet man einen paarigen Halslappen (Lobus cervicalis), einen Übergangsteil (Isthmus) und einen unpaarigen Brustlappen (Lobus thoracicus). Bei Vögeln sind beidseits entlang des Halses mehrere kleine Thymuslappen ausgebildet.

Im Gegensatz zu den übrigen lymphatischen Organen, die ausschließlich aus dem Mesoderm hervorgehen, entwickelt sich der Thymus aus dem Meso-, dem Ento- und dem Ektoderm und wird daher als lymphoepitheliales Organ bezeichnet. Histologisch lassen sich im Thymus Läppchen (Lobuli thymici) mit Rinde und Mark unterscheiden. Besonders im Thymusmark befinden sich beim Menschen und den meisten anderen Wirbeltieren die für das lymphatische Gewebe des Thymus typischen Hassall-Körperchen.

Im Thymus werden Thymozyten (Prä-T-Lymphozyten) in T-Lymphozyten (Syn. T-Zellen) umgewandelt. Die T-Lymphozyten-Vorläufer wandern aus dem Knochenmark über die Blutbahn in die Läppchenrinde ein. Sie durchlaufen das Läppchen von außen nach innen und machen dabei eine Reifung durch.

Zunächst entstehen durch zufällige Rekombination Lymphozyten gegen alle möglichen Zielmoleküle. Eine Blut-Thymus-Schranke verhindert den Kontakt zu körperfremden Antigenen. Jene Klone von Lymphozyten, die körpereigene MHC-Moleküle erkennen können und damit funktionstüchtig sind, werden dann vermehrt – alle anderen Klone werden in den programmierten Zelltod geschickt (positive Selektion). Das Erkennen der körpereigenen MHC-Moleküle in Kombination mit körperfremden Antigenen löst später die spezifische Immunabwehr aus. In einem zweiten Schritt werden jene T-Lymphozyten, die gegen körpereigene Antigene gerichtet sind und deshalb körpereigene Zellen attackieren würden, durch programmierten Zelltod aussortiert (negative Selektion). Dadurch haben T-Lymphozyten eine Selbsttoleranz gegenüber körpereigenem Gewebe, greifen dieses also nicht an. Vom Thymus wandern die ausdifferenzierten T-Lymphozyten über das Blut in die sekundären lymphatischen Organe, wo sie sich bei Bedarf, das heißt, wenn ein entsprechendes Antigen in den Körper eingedrungen ist, vermehren.

Da der Thymus der Primärentwicklung der T-Lymphozyten dient, wird er zusammen mit dem Bursaäquivalenten Organ als primäres oder zentrales lymphatisches Organ bezeichnet.

Involution

Nach der Ausbildung eines umfangreichen Reservoirs an gegen spezifische Antigene gerichteten T-Lymphozyten ist der Thymus nicht mehr notwendig, denn die Vermehrung der einzelnen T-Lymphozyten-Klone erfolgt, falls entsprechende Antigene in den Körper gelangen, in den T-Lymphozyten-Regionen der sekundären lymphatischen Organe (z. B. Paracortex im Lymphknoten, PALS der Milz). Mit Einsetzen der Pubertät bildet sich der Thymus zurück (Involution), so dass bei Erwachsenen nur noch ein Thymusrestkörper – beim Menschen auch als retrosternaler Fettkörper bezeichnet – übrig bleibt, der hauptsächlich aus Fettgewebe besteht.

Die vollständige Rückbildung des Thymus ist ein wesentlicher Faktor für die Immunoseneszenz.[1]

Thymektomie

Eine Entfernung des Thymus (Thymektomie) bei Föten oder sehr jungen Tieren oder Menschen führt dazu, dass kein funktionierendes Immunsystem aufgebaut werden kann, denn T-Lymphozyten spielen darin eine zentrale Rolle. Indikationen für eine Thymektomie beim erwachsenen Patienten sind unter anderem ein Thymom sowie Myasthenia gravis, bei der eine Entfernung des Thymus unter bestimmten Voraussetzungen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.

Thymuspeptide

Aus dem Thymus können verschiedene Peptide isoliert werden wie Thymomodulin, Thymostimulin (TP-1), Thymopentin (TP-5), Thymus-Serum-Faktor (thymic humoral factor, THF) und Thymosine (z. B. Thymosin α1, Thymosin β4).

Einige Peptide werden zurzeit als Wirkstoffe auf ihre Heilwirkung untersucht. Andere, wie beispielsweise das Thymosin α1, sind mittlerweile in vielen Ländern der Welt als Arzneimittelwirkstoff zugelassen und befinden sich in der therapeutischen Anwendung. Eine Metastudie zeigte, dass Tumortherapien mit Thymuspeptiden kaum positive Effekte auf den Krankheitsverlauf zeigen, lediglich für Thymosin α1 zeigten sich im Trend verlängerte Überlebensraten.[2]

Thymus als Lebensmittel

Der Thymus des Kalbs und des Lamms wird als Kalbsbries oder Milken (schweizerisch) beziehungsweise Lammbries als Spezialität angeboten.

Siehe auch

Literatur

  • Uwe Gille: Herz-Kreislauf- und Abwehrsystem, Angiologia. In: F.-V. Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 404–463.
  • D. D. Taub, D. L. Longo: Insights into thymic aging and regeneration. In: Immunological Reviews. Band 205, Juni 2005, S. 72–93, ISSN 0105-2896. . PMID 15882346. (Review).
  • Klaus Hans Bayer: „Die Zelltherapie“, (unter besonderer Berücksichtigung des Thymus). 4. Auflage. Ultrus-Verlag, Freiburg im Breisgau 2011, ISBN 978-3-927059-82-5.

Weblinks

 Commons: Thymus (organ) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Donald B. Palmer: The Effect of Age on Thymic Function. In: Frontiers in Immunology. 4, 2013, S. , .
  2. E. Wolf u. a.: Thymic peptides for treatment of cancer patients. In: Cochrane Database Syst Rev. 2011 Feb 16;(2):CD003993. PMID 21328265
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