Cognition based Medicine

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Als Cognition based Medicine CBM (erkenntnisbasierte Medizin) wird ein dem Prinzip des so genannten "Goldstandards RCT" (= randomisiert-kontrollierte Studien(w)) der evidenzbasierten Medizin(w) (evidence based medicine) konträres oder dieses nach Ansicht ihrer Befürworter, erweiterndes methodologisches System oder Modell vorgeschlagen. Seine Anwendung soll unterstellte oder tatsächliche Schwächen der evidenzbasierten Medizin verringern, indem es diese um andere Erkenntnisquellen ergänzt. Anlass für die Entwicklung dieser Forschungsmethode war eine Anfrage des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie(w) (BPI), dem an der Klärung des Begriffs des „anderen wissenschaftlichen Erkenntnismaterials“ im bundesdeutschen Arzneimittelgesetz(w) lag: Ob es sich dabei um "sonstiges Erkenntnismaterial" neben den Befunden aus den üblichen randomisierten klinischen Studien handle oder um „anderes Erkenntnismaterial“ im tieferen Sinne von "aufbauend auf anderer Erkenntnis".[1]

Ursprünge und Grundzüge der CBM

Die CBM geht auf den Arzt und Anthroposophen(w) Helmut Kiene(w) zurück und beruft sich auf Arbeiten des Gestaltpsychologen(w) Karl Duncker(w) [2] über "phänomenale Kausalität(w)". Sie stellt die These auf, dass nicht nur aus kontrollierten Studien mit großen Fallzahlen, sondern auch aus dem Einzelfall gültige Aussagen über die Wirksamkeit bestimmter Eingriffe oder Verfahrensweisen möglich seien, und zwar im Wege des Erkennens offenkundiger Kausalzusammenhänge nach bestimmten Regeln. Dieses Kausalerkennen liege auch tatsächlich dem größeren Teil der heute praktizierten ärztlichen Interventionen zugrunde.

Beispiel: Die Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit des Luftröhrenschnitts bei einem Zuschwellen des Rachens, an dem der betroffene Mensch ansonsten ersticken müsste, erfordert keinen Wirksamkeitsnachweis durch Reproduzieren oder gar durch randomisierte Studien mit unbehandelter Kontrollgruppe und dergleichen, sondern ergibt sich aus der genauen Kenntnis der anatomischen Verhältnisse und Zusammenhänge in der Halsregion (Kehlkopf, Schilddrüse, Muskeln, Blutgefäße und Nervenverläufe) und einer diesen Verhältnissen entsprechenden fachkundigen Ausführung des Schnitts. [3]

Wenn nun für die verschiedenen Arten des Erkennens von Kausalzusammenhängen klare wissenschaftliche Regeln für die Anwendung auf den Einzelfall entwickelt würden, was sich die CBM zur Aufgabe mache, dann sollen Aussagen über Einzelpatienten und die Wirksamkeit ihrer Behandlung (ihr 'outcome') in vielen Bereichen mit gleicher Verlässlichkeit und Gültigkeit getroffen werden können, wie dies in der evidenzbasierten Medizin mit randomisierten Studien mit großer Fallzahl, Kontrollgruppe usw. der Fall sei. Die CBM sieht sich diesbezüglich nicht als Ersatz für die Evidenzbasierte Medizin, sondern als ergänzendes Verfahren. CBM-konforme Studiendesigns sowie die Verschmelzung von CBM-EBM sind das Ziel der Bestrebungen der Anhänger dieses Ansatzes. Insbesondere soll die CBM auch im Bereich komplementärer oder alternativmedizinischer Heilverfahren zum Einsatz kommen, bei denen ein Wirksamkeitsnachweis mit den gängigen wissenschaftlichen Verfahren bisher nicht gezeigt werden konnte.

Literatur

  • Kiene H (2001): Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung, Berlin-Heidelberg-New York: Springer
  • Kiene H: Was ist Cognition-based Medicine? Z. ärztl. Fortbild. Qual. Gesundh.wes. 2005(99):301-6. Link: PDF
  • Walach H, Circular instead of hierarchical: methodological principles for the evaluation of complex interventions, BMC Medical Research Methodology 2006, 6:29
  • Kienle, Gunver; Karutz, Markus; Matthes, Harald; Matthiessen, Peter; Petersen, Peter; Kiene, Helmut: Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Deutsches Ärzteblatt 100, Ausgabe 33 vom 15. August 2003.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. H. Kiene (2001), Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung, Berlin/Heidelberg/New York: Springer, S. 1.
  2. Duncker Karl, Zur Psychologie des produktiven Denkens, 1935
  3. Beispiel aus: H. Kiene (2001), Komplementäre Methodenlehre der klinischen Forschung, Berlin/Heidelberg/New York: Springer, S. 29.
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